Digitalis lanata
Der wollige Fingerhut, Digitalis lanata. Der Auf- und Niedergang einer Medizinalpflanze im Baselbiet.
Wolliger Fingerhut - Digitale laineuse
Digitalis lanata
Einleitung
Der wollige Fingerhut ist in der Schweiz nicht heimisch. Sein Vorkommen ist zweifelhaft (ZDSF).
Der Auf- und Abstieg einer Heilpflanze
Digitalis lanata, der wollige Fingerhut, wurde in den fünfziger und sechziger Jahren in der Nordwest Schweiz, insbesondere dem oberen Baselbiet grossflächig für die pharmazeutische Abteilung der SANDOZ AG angepflanzt. Aus den getrockneten Blättern wurden Medikamente für Herztherapien hergestellt. Für viele Landwirte bedeutete damals der Digitalis-Anbau eine willkommene Nebeneinnahme. Allein in Wenslingen (BL) pflanzten gegen 40 Familien Digitalis. Im Spitzenjahr 1959 waren bei insgesamt 200 Pflanzern 50 Hektaren mit 4.5 Millionen Setzlingen angebaut worden. Die Erntemenge näherte sich 900 Tonnen. An guten Standorten werden pro Are weit mehr als 200 kg Blätter geerntet. Der Kilopreis von 1953 betrug 0.85 Franken. Die Abbildung 2 veranschaulicht den Aufstieg und den Niedergang des Digitalis Anbaus im Baselbiet von 1947-1976. Jedes Jahr im Mai, werden die Setzlinge, welche in Grossgärtnereien am Genfersee oder in kleineren Gärtnereien der Region Basel produziert wurden, den Landwirten zugestellt. Für Fragen steht der Anbau-Betreuer der SANDOZ AG den Landwirten Rede und Antwort. Im Jahr 1953 sind 2.3 Millionen Setzlinge angezogen worden. Im Verlaufe der Zeit wurden verschiedene technische Modernisierungen (Sämlingskistchen, Gras-Trommeltockner) eingeführt. Die erfreuliche Aufwärtsbewegung geriet zu Beginn der sechziger Jahre ins Stocken. Die Drogenlager (Droge=Getrocknete Heilpflanze) hatten sich inzwischen gefüllt. Weiter nahmen die Verkäufe an SANDOZ AG Digitalispräparaten eher ab. Es entstanden in anderen Teilen Europas (Holland, Deutschland, Oststaaten) ein industrieller Grossanbau. Der Druck auf die einheimische Produktion wurde immer grösser. SANDOZ AG stellte von 1977 bis 1980 den Anbau ein. Im Jahr 1980 wurden die Landwirte schriftlich informiert, dass für 1981 die Möglichkeit eines kleinen Versuchsanbaus mit einer gehaltreichen aber etwas anspruchsvollen Sorte bestehe. Die Zeit des Digitalis-Anbau nahm damit ein Ende.
| <E wink an SANDOZ> | <SANDOZ winggt zrugg> |
|---|---|
| Frogt mi e Frau, frogt mi e Ma, | Ob Dichterfrau, ob Dichterma, |
| hesch bi der SANDOZ Zahltag gha? |
Wär so nätt Värsli mache ka, |
| Nei, muess ich säge, weiss gar nid, | dä muess au wisse unsre Grund, |
| dass's hür so lang nid <Zahltag> git. | Werum dr Pulver jetzt erscht kunnt. |
| Färn isch dr Lohn in Quote cho, | Die meischte Buure hänn is gseit, |
| hür chönnt eim s'Warte fascht vergoh. | Dass wäge däre Troggeheit |
| Hei si wie mir – kei Pulver meh? | jo fascht nyt gwachse sig vor Hitz, |
| Dass sie eim nüt me chönne geh! | Und jetz scho schnyde sig e Witz. |
| Der Zwäck vo dene Värse wer, | Sächs Wuche hämmer z'Troggne gha. |
| dass d'SANDOZ nehm drvo e Lehr. | Denn hämmer grächnet, liebe Ma, |
| Der Buur sett Kontozahlig ha, | wär ächt so wenig ibrig hett, |
| dass er die Zeise zahle cha. | Dass d'Setzlig är nit zahle sett. |
| Wei hoffe, s'nechscht Johr göngs wie färn | Erscht jetz, wo mer das alles hänn, |
| denn hei mir d'SANDOZ wieder gärn. | Mir au dr Pulver an Euch gänn, |
| Mir schicke denn es Värsli i, | und hoffe, s'nächscht Johr sig denn au |
| wo grühmt und globt si wieder si! | Wie gmacht fir Digitalis-Bau. |
Schlussfolgerung
Im Rahmen des Projektes NAP 03-05 wurden verschiedene Versuche (Inteview P. Ackermann, Kontakt Vordere Klus, Botanischer Garten Basel) untenommen, Material aus den Jahren 1959 bis 1980 ausfindig zu machen. Leider ohne Erfolg. Weiter war es auch nicht mögich, Sorten-Namen zu indentifizieren, welche in der beschriebene Zeit in der Nord-Westschweiz angebaut wurden. Das Beispiel Digitalis zeigt, dass
der Auf- und Absteig von Sorten im Generellen und von Aroma- und Medizinalpflanzen Arten im Speziellen sehr oft schnell vorangeht. Diesem Zykluss ist auch die Verfügbareit von Wissen und Material unterworfen (siehe Schlussbericht Kapitel 5.2.3).
Quelle:
Baselbieter Heimatbuch 19. Gesund und Krank 1993. P. Ackermann, Gustav Schwarb. Der Digitalis-Anbau im Baselbiet
Bescheibung des wolligen Fingerhut als PDF [hier]